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Die Erzählung MANDALA zeichnet den Weg einer Frau, die vom Gefühlschaos zu innerer Befreiung und Beheimatung gelangt. Die Protagonistin Ruth bleibt über alle Aufbrüche und Abstürze hinweg im Dialog mit ihrer eigenen Geschichte und ihren Sehnsüchten.
Mit leichtem Sinn lässt die Autorin den Leser/ die Leserin mit ihrer Symbolsprache allein, die deren eigener Phantasie Raum gibt. – Es bleibt immer etwas, das ungeklärt ist. -
Man kann in diesem Text die grundlegenden Rhythmen des menschlichen Lebens spüren, die sich in schmuckloser Form in unaufhörlich auf - und niedersteigenden Bewegungen äußern.
Es muss wohl so gewesen sein, dass nachts, wenn ich schrieb, die Traumwelt und das Unbewusste hellwach an meiner Seite standen, so die Autorin.
Textprobe: „Was wirst du tun, allein in dieser Geisterstadt, Frau Ruth, allein mit den Kindern? Fragte Herr Schwarz beim Abschiednehmen.
Ich baue für uns ein neues Haus mit runden Fenstern, sagte sie. Mit Fenstern wie Bullaugen.
Baust du ein Schiff?
So etwas Ähnliches, sagte Ruth, ich lege eine neues Mosaik, mit neuen Händen.“
Textprobe: „Ein warmer Wind strich durch das Geäst, Ruth setzte sich auf ein Moospolster, sie sah lächelnd dem Spiel der Blätter zu, die der Wind bewegte.
Sie denken auch an goldene Schnüre, sagte eine junge Stimme und ein Mensch setzte sich, ohne zu fragen, zu Ruth unter den Baum.“
„Was tun Sie, wenn Sie nicht an goldene Schnüre denken? Fragte Ruth, um ihn von der wahnwitzigen Geschichte abzulenken. Ich? Ich bin traurig, manchmal weine ich.
Und sonst? Ließ Ruth nicht locker. Augustin schwieg. Was tun Sie? Fragte er seinerseits.
Ich baue ein Schiff, entgegnete Ruth. Ich möchte eines Tages weg von hier.
Sie besitzen eine Werft? Bei dieser Frage lachte Ruth. Wozu eine Werft? Baut man Schiffe nicht in einer Werft? Sagte Augustin. Ich nicht. Ich habe ein Haus, das durch einen Schacht vom See her gespeist wird. Ich schneide Bullaugen in die Hauswände.“
In dieser Symbolsprache ist alles in Auflösung begriffen, Visionen werden Wirklichkeit.
Die rückgewandte Sehnsucht: „Warum nicht früher?“ lässt eine Erkenntnis zu:
Es ist immer der richtige Zeitpunkt.
Textprobe: „Wie hast du mich gefunden? Ich werde dich immer finden, Ruth, sprach er weich. Du hast mir Raum gegeben und ich habe dir Raum gegeben. Wir können uns jederzeit trotz räumlicher Entfernung einschwingen aufeinander. Dann sind wir ein Ganzes.
Warum nicht früher?
Weil es dir und mir nicht eher möglich war, Jemandem in dieser Präsenz Raum zu geben.“
In kraftvoller Sprache erzählt, durchwoben mit lyrischen und philosophischen Fäden, wechselt die Erzählung fließend zwischen Realität und surrealen Traumbildern, zwischen Erinnerungen und Gegenwart.
Diesem spannungsgeladenen Weg der Wandlung und des Dialogs tragen Sieben Holzschnitte von Hugo Ender auf einfühlsame Weise Rechnung.
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